Pferd plötzlich unkontrollierbar - wie verhalte ich mich nun?

samedi 13 décembre 2014

Hallo :)



Seit September hab ich nun mein eigenes Pferd, er ist ein richtiger Schatz und ich bin so froh, ihn gefunden zu haben! Bisher hatten wir keine größeren Probleme, weder im Umgang, noch beim Reiten. Er ist sehr fein ausgebildet, dabei aber eher von der fauleren Sorte. Am liebsten ist er im Gelände unterwegs, ob nun alleine oder zu zweit. Völlig problemlos in jedem Tempo zu kontrollieren. Wenn die Pferde vor ihm rennen, wartet er auf meine Reaktion und reagiert dann dementsprechend. Ich gehe jede Woche mindestens einmal, eher mehr, raus. Meist gemütlich im Schritt, andere Gangarten sind aber auch kein Problem. Durch seine zuverlässige und unerschrockene Art ist er ein geschätztes Begleitpferd. Er kennt wirklich alles im Gelände und ist wirklich unerschrocken. Die Vorbesitzerin ist vor Jahren mit ihm Jagden geritten und konnte ihn mit Wassertrense mitten im Feld durchparieren. Auch ich konnte ihn jederzeit aus jedem Tempo anhalten.



Ich hatte vor Jahren einen sehr schweren Unfall im Gelände, den ich nur dank Kappe und Weste überlebt habe. Danach war ich immer ziemlich ängstlich, wenn es ums Thema Ausreiten ging. Doch mein Pferd kurierte diese Angst ganz schnell, ich habe ihm blind vertraut und bin sehr gerne ausgeritten. Bis heute :(



Heute ist etwas passiert, was mir total den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Ich war mit einer Stallfreundin (gleichzeitig meine RL) ausreiten. Unsere Pferde kennen sich sehr gut, sie stehen mit noch einem dritten Pferd zusammen draußen. Alles war gut, Pferde völlig entspannt. Auf einem schönen Feldweg wollten wir traben (das zweite Mal beim Ritt), ging auch gut. Erst sind wir hintereinander geritten, doch mein Pferd wollte das andere Pferd überholen. Ich wollte das nicht und habe versucht, durchzuparieren, was ja bisher immer easy war. Doch mein Pferd machte sich fest im Hals, schnappte nach dem anderen Pferd :eek: und rannte los. Erst war es noch ganz normaler Arbeitsgalopp. Meine Versuche, zu bremsen, waren wirkungslos, im Gegenteil, er wurde im schneller. Wie von Sinnen rannte er immer weiter, jedoch war keine Spur von Angst zu bemerken. Auf mich reagierte er gar nicht mehr, sprang dann schließlich noch über eine Abtrennung und rannte in den Wald rein. Ich hatte keine Chance, irgendwas zu machen. Er reagierte einfach nicht, weder aus Nachtreiben, noch auf meine Stimme, noch auf meine dann doch etwas härtere Zügelführung.



Irgendwann kriegte ich ihn dann doch wenigstens zum abwenden. Leider machte er dann noch einen Satz zur Seite und ich landete erst im Baum und dann auf der Erde :mad: . Pferd rannte noch 10m, blieb dann stehen, guckte schuldbewusst und kam auf Zuruf zu mir und wollte kuscheln^^ Keine Spur von Angst, er hatte nicht mal geschwitzt. Da ich ziemlich unter Schock stand, bin ich nicht wieder aufgestiegen, sondern habe ihn geführt. Auch da war er völlig entspannt und lief total relaxt neben mir her.



Ich hingegen fühle mich total schlecht, wie eine Versagerin und habe ehrlich gesagt auch Angst, wieder im Gelände zu traben :( Ich kann mir auf sein Verhalten gar keinen Reim machen, so kenne ich ihn gar nicht. Meine RL meinte auch, das sei kein Durchgehen aus Angst gewesen. Aber erklären konnte sie es sich auch nicht. Sie vermutet, es sei ein Austesten der Rangordnung zwischen mir und ihm. Toll, dann hab ich ja total versagt. Aber würde er es dann nicht auch am Boden und in der Halle machen? Sie meinte, ich solle mir ein Pelham besorgen, doch das kann ja nicht die Lösung sein! Rittigkeit verbessern sagt sich so, die 60 Minuten vorher war er ja total rittig und an den Hilfen.



Wie soll ich mich nun verhalten? Wie weitermachen? Ich liebe ihn über alles, doch dieses Verhalten, gerade wegen meiner Vorgeschichte, macht mir Angst.



Was mir noch einfällt, in der Halle und an der Longe arbeite ich ihn auf Anraten der TA vermehrt im Galopp, da er abnehmen und die Lunge durchlüften muss. Da er an der Longe im Galopp noch leichte Gleichgewichtsprobleme hat, longiere ich ihn meist nur 3-4 Runden pro Hand im Galopp und lasse ihn danach noch ohne Longe ganze Bahn galoppieren. Dabei lege ich viel Wert auf ein gesittetes Tempo. Die letzten zwei Male ist er dabei wie von der Tarantel gestochen losgerannt, hat gebuckelt und gen Bahnmitte getreten. Nach fünf Minuten war dann auch wieder gut. ich habe das leider so hingenommen, weil ich dachte, er müsse sich ja mal austoben. Unter dem Reiter hat er so ein Verhalten aber nie gezeigt.



Sorry für den langen Text, ich hoffe, ihr lest ihn euch trotzdem durch und könnt mir helfen :)





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