Hallo ihr Lieben!
"Pferdetagebuch... das klingt doch prima!" dachte ich mir, als ich durchs Forum wuselte. Vor allem, da in den letzten zwei Jahren so viel geschehen ist :rolleyes: Eine Zeit angefüllt von Selbstüberschätzung, Sturheit entgegen allen guten Rates, Zweifeln, Angst und schließlich unglaublicher Freude... Prompt schickte ich meine Anmeldung ab und begann zu tippseln.
Zu mir:
Ich heiße Lena, bin 26 Jahre jung und stamme aus dem schönen Saarland. Mit dem Reiten habe ich mit ca. 12 Jahren begonnen, mit 15 machte ich dann eine "pubertätsbedingte Pause", da plötzlich so viele Sachen interessanter waren... :D
So fings an...
Im Sommer 2012 war ich dann bei meiner Schwägerin und meinen Nichten zu Besuch, die absolut pferdevernarrt sind. Ich saß zum ersten Mal wieder auf einem Pferd und mir war sofort klar: Ich musste wieder mit dem Reiten beginnen!
Wieder daheim stellte ich fest, dass meine alte Reitschule nach wie vor Unterricht gab und ich meldete mich zum Probeunterricht an. Nach einer ersten Longenstunde durfte ich direkt in die Abteilung und von da an folgte harte Arbeit, um das ganze verschüttete Wissen wieder aufzufrischen.
Jacky - meine erste Reitbeteiligung...
Irgendwann dann erzählte mir meine Reitlehrerin, dass eine Reitbeteiligung an einem Arabo-Haflinger zu vergeben sei und so kam ich zu meinem ersten "fast-eigenen" Pferd. Jacky stellte sich als stur, faul und absolut diskussionsfreudig heraus, also genau wie ich! Jeder Tag wurde zu einem Kräftemessen zwischen ihm und mir und ich verlor öfters als mir lieb war.
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Adlantus - maßlose Selbstüberschätzung meinerseits
Aus der Zeit mit Jacky zog ich die Schlussfolgerung, dass ich mir was flotteres suchen würde, wenn ich jemals ein eigenes Pferd bekäme. Etwa ein halbes Jahr später dann stand der Sporthaflinger einer Reitkollegin zum Verkauf. Adlantus, springfreudig und flott unterwegs. Er kam zur Probe auf den Hof und ich war im Himmel! Endlich mal nicht treiben bis die Schenkel brennen! Was hatte ich mich doch geirrt... Wenn der Bub auch in der ersten Zeit klasse war, so stellte sich dann irgendwann heraus dass er doch zu lebhaft für einen Wiedereinsteiger wie mich war. Zudem auch noch sehr schreckhaft, was in einem gebrochenen Bein und einer angebrochenen Schulter resultierte. Ich besprach mich noch vom Krankenhaus mit meiner Reitlehrerin und diese organisierte, dass meine damalige Reitbeteiligung, die eindeutig fester im Sattel saß als ich, ihn kaufte. Bis heute passen die zwei prima zusammen und wir gehen noch oft gemeinsam ins Gelände... aber dazu später mehr ;)
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Ein zweiter Versuch... geht in die Hose
Okay, auf die OP folgten dann zwei Wochen Reha und unbelehrbar wie ich war ging ich direkt wieder auf Pferdesuche. Meine Reitlehrerin ließ über einen ihr bekannten Händler einen Hafi-Bub auf den Hof kommen. Nabucco, ein hübsches Kerlchen und absolutes Verlasspferd! Ein bisschen faul, aber echt brav. Gleichzeitig fuhr ich dann noch auf einen benachbarten Hof eine Hafi-Dame probereiten. Man merkt schon... irgendwie bin ich bei den Haflingern hängen geblieben :lach: Tja, leider führte mich das Ganze erneut ins Unglück... denn die Aussage "Sie wird etwas flott, wenn man klemmt." traf es nicht ganz. Eine leichte Berührung der Schenkel am Bauch führte dazu, dass die Stute wie ein Sektkorken losschoss und mich in die nächste Ecke schleuderte. Fazit: Ein gebrochenes Handgelenk. So kam ich dann erneut in der Notaufnahme an und konnte den diensthabenden Arzt nur angrinsen mit den Worten: "Das Bein ist heil geblieben!". Man kannte mich ja schließlich noch von letztem Mal... :rolleyes: Erneut folgte eine OP und eine Platte im Handgelenk. Nach der OP rief mich meine Reitlehrerin an und meinte, ob ich den Nabucco denn nun wolle. Wenn nicht, würde der Händler ihn nächste Woche wieder mitnehmen. Ich war zu dem Zeitpunkt kurz davor, das Reiten komplett an den Nagel zu hängen aber dann siegte meine Pferdeliebe (und Unvernunft, wie all meine Freunde und meine Familie steif und fest behaupteten). Meine Reitlehrerin machte mir das Angebot, den Bub im Schulbetrieb mitgehen zu lassen und dafür seine Boxenmiete zu streichen, bis ich wieder selbst in der Lage wäre, ihn zu versorgen. Ich muss damals verrückt gewesen sein... oder noch unter Schmerzmittel, aber ich sagte zu!
Reiten die Dritte, diesmal aber richtig!
Als der Gips dann endlich ab war (Mittlerweile Sommer 2013) und ich wieder in den Stall konnte, sah ich mich jedoch mit einem neuen unerwarteten Problem konfrontiert. Ich bekam plötzlich panische Angst und Herzrasen beim Gedanken daran, wieder auf ein Pferd zu steigen! Eine Zeit lang drückte ich mich, indem ich mit Nabucco nur Bodenarbeit und lange Spaziergänge unternahm, während das Reiten von einer Reitbeteiligung übernommen wurde. Das entpuppte sich jedoch auch als riesiger Griff ins Klo! Nach zwei absolut unzuverlässigen RB's beschloss ich dann dass es auch für mich Zeit wurde, wieder in den Sattel zu steigen. Hätte es damals K., eine Freundin am Stall nicht gegeben, ich hätte es wohl nicht geschafft... Sie ging Tag für Tag mit Nabucco und mir in die Halle und übte. Erst führte sie mich, dann ging sie neben uns her und irgendwann stand sie dann nur noch in der Mitte der Halle. Nach wie vor zuckte ich bei jedem Stolpern, jeder unerwarteten Bewegung zusammen, aber es wurde besser. Sobald ich halbwegs angstfrei im Sattel saß nahm ich auch wieder Reitstunden und wurde sicherer und sicherer.
Dann kamen L. (Hey, die heißt ja wie ich!! :D ) und ihre Haflinger Stute Kitty an den Hof. Unsere erste und einzige Westernreiterin schleppte mich mit auf endlose abenteuerliche Ausritte ins Gelände. Standartwege? Zu langweilig! Durch sie lernte ich zahllose aufregende Strecken kennen. Durch den Fluss... schmale Pfade entlang, steile Berge hinab. Ich gewann so viel an Sicherheit durch diese Touren... endlich saß ich wieder komplett angstfrei im Sattel!!! Durch L. begann ich dann auch, ohne Sattel zu reiten um meinen Sitz und meine Balance zu verbessern. Wir sind noch am üben... aber es wird!
Stand der Dinge heute...
Hier sind wir also: Nabucco, Haflingerwallach, geboren Mai 1999 und Lena, 26 Jahre jung
Wenn ich so zurückdenke, war ich damals wirklich sehr leichtsinnig. So kurz nach einem Wiedereinstieg war ich mit einem eigenen Pferd absolut überfordert und überschätzte mich selbst maßlos. "Ach, das schaff ich schon..." sagte ich mir immer wieder. Und musste schmerzhaft lernen, dass der schnellste Weg nicht immer der beste ist. Es ist ein Wunder, dass Nabucco und ich letztendlich zusammen fanden und mittlerweile kann ich mir nicht vorstellen, jemals wieder ohne den Dicken zu sein. Mittlerweile sind wir seit über anderthalb Jahren zusammen und es ist an der Zeit, Tagebuch zu führen :nicken: Ich hoffe, dass der ein oder andere Spaß daran hat, uns auf unserem Weg zu begleiten. Wir haben noch viel zu lernen und sind trotz all der Erfahrungen die wir miteinander gemacht haben noch ganz am Anfang unseres Weges...
Liebe Grüße,
Lena und Nabucco
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"Pferdetagebuch... das klingt doch prima!" dachte ich mir, als ich durchs Forum wuselte. Vor allem, da in den letzten zwei Jahren so viel geschehen ist :rolleyes: Eine Zeit angefüllt von Selbstüberschätzung, Sturheit entgegen allen guten Rates, Zweifeln, Angst und schließlich unglaublicher Freude... Prompt schickte ich meine Anmeldung ab und begann zu tippseln.
Zu mir:
Ich heiße Lena, bin 26 Jahre jung und stamme aus dem schönen Saarland. Mit dem Reiten habe ich mit ca. 12 Jahren begonnen, mit 15 machte ich dann eine "pubertätsbedingte Pause", da plötzlich so viele Sachen interessanter waren... :D
So fings an...
Im Sommer 2012 war ich dann bei meiner Schwägerin und meinen Nichten zu Besuch, die absolut pferdevernarrt sind. Ich saß zum ersten Mal wieder auf einem Pferd und mir war sofort klar: Ich musste wieder mit dem Reiten beginnen!
Wieder daheim stellte ich fest, dass meine alte Reitschule nach wie vor Unterricht gab und ich meldete mich zum Probeunterricht an. Nach einer ersten Longenstunde durfte ich direkt in die Abteilung und von da an folgte harte Arbeit, um das ganze verschüttete Wissen wieder aufzufrischen.
Jacky - meine erste Reitbeteiligung...
Irgendwann dann erzählte mir meine Reitlehrerin, dass eine Reitbeteiligung an einem Arabo-Haflinger zu vergeben sei und so kam ich zu meinem ersten "fast-eigenen" Pferd. Jacky stellte sich als stur, faul und absolut diskussionsfreudig heraus, also genau wie ich! Jeder Tag wurde zu einem Kräftemessen zwischen ihm und mir und ich verlor öfters als mir lieb war.
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Adlantus - maßlose Selbstüberschätzung meinerseits
Aus der Zeit mit Jacky zog ich die Schlussfolgerung, dass ich mir was flotteres suchen würde, wenn ich jemals ein eigenes Pferd bekäme. Etwa ein halbes Jahr später dann stand der Sporthaflinger einer Reitkollegin zum Verkauf. Adlantus, springfreudig und flott unterwegs. Er kam zur Probe auf den Hof und ich war im Himmel! Endlich mal nicht treiben bis die Schenkel brennen! Was hatte ich mich doch geirrt... Wenn der Bub auch in der ersten Zeit klasse war, so stellte sich dann irgendwann heraus dass er doch zu lebhaft für einen Wiedereinsteiger wie mich war. Zudem auch noch sehr schreckhaft, was in einem gebrochenen Bein und einer angebrochenen Schulter resultierte. Ich besprach mich noch vom Krankenhaus mit meiner Reitlehrerin und diese organisierte, dass meine damalige Reitbeteiligung, die eindeutig fester im Sattel saß als ich, ihn kaufte. Bis heute passen die zwei prima zusammen und wir gehen noch oft gemeinsam ins Gelände... aber dazu später mehr ;)
adlantus.jpg
Ein zweiter Versuch... geht in die Hose
Okay, auf die OP folgten dann zwei Wochen Reha und unbelehrbar wie ich war ging ich direkt wieder auf Pferdesuche. Meine Reitlehrerin ließ über einen ihr bekannten Händler einen Hafi-Bub auf den Hof kommen. Nabucco, ein hübsches Kerlchen und absolutes Verlasspferd! Ein bisschen faul, aber echt brav. Gleichzeitig fuhr ich dann noch auf einen benachbarten Hof eine Hafi-Dame probereiten. Man merkt schon... irgendwie bin ich bei den Haflingern hängen geblieben :lach: Tja, leider führte mich das Ganze erneut ins Unglück... denn die Aussage "Sie wird etwas flott, wenn man klemmt." traf es nicht ganz. Eine leichte Berührung der Schenkel am Bauch führte dazu, dass die Stute wie ein Sektkorken losschoss und mich in die nächste Ecke schleuderte. Fazit: Ein gebrochenes Handgelenk. So kam ich dann erneut in der Notaufnahme an und konnte den diensthabenden Arzt nur angrinsen mit den Worten: "Das Bein ist heil geblieben!". Man kannte mich ja schließlich noch von letztem Mal... :rolleyes: Erneut folgte eine OP und eine Platte im Handgelenk. Nach der OP rief mich meine Reitlehrerin an und meinte, ob ich den Nabucco denn nun wolle. Wenn nicht, würde der Händler ihn nächste Woche wieder mitnehmen. Ich war zu dem Zeitpunkt kurz davor, das Reiten komplett an den Nagel zu hängen aber dann siegte meine Pferdeliebe (und Unvernunft, wie all meine Freunde und meine Familie steif und fest behaupteten). Meine Reitlehrerin machte mir das Angebot, den Bub im Schulbetrieb mitgehen zu lassen und dafür seine Boxenmiete zu streichen, bis ich wieder selbst in der Lage wäre, ihn zu versorgen. Ich muss damals verrückt gewesen sein... oder noch unter Schmerzmittel, aber ich sagte zu!
Reiten die Dritte, diesmal aber richtig!
Als der Gips dann endlich ab war (Mittlerweile Sommer 2013) und ich wieder in den Stall konnte, sah ich mich jedoch mit einem neuen unerwarteten Problem konfrontiert. Ich bekam plötzlich panische Angst und Herzrasen beim Gedanken daran, wieder auf ein Pferd zu steigen! Eine Zeit lang drückte ich mich, indem ich mit Nabucco nur Bodenarbeit und lange Spaziergänge unternahm, während das Reiten von einer Reitbeteiligung übernommen wurde. Das entpuppte sich jedoch auch als riesiger Griff ins Klo! Nach zwei absolut unzuverlässigen RB's beschloss ich dann dass es auch für mich Zeit wurde, wieder in den Sattel zu steigen. Hätte es damals K., eine Freundin am Stall nicht gegeben, ich hätte es wohl nicht geschafft... Sie ging Tag für Tag mit Nabucco und mir in die Halle und übte. Erst führte sie mich, dann ging sie neben uns her und irgendwann stand sie dann nur noch in der Mitte der Halle. Nach wie vor zuckte ich bei jedem Stolpern, jeder unerwarteten Bewegung zusammen, aber es wurde besser. Sobald ich halbwegs angstfrei im Sattel saß nahm ich auch wieder Reitstunden und wurde sicherer und sicherer.
Dann kamen L. (Hey, die heißt ja wie ich!! :D ) und ihre Haflinger Stute Kitty an den Hof. Unsere erste und einzige Westernreiterin schleppte mich mit auf endlose abenteuerliche Ausritte ins Gelände. Standartwege? Zu langweilig! Durch sie lernte ich zahllose aufregende Strecken kennen. Durch den Fluss... schmale Pfade entlang, steile Berge hinab. Ich gewann so viel an Sicherheit durch diese Touren... endlich saß ich wieder komplett angstfrei im Sattel!!! Durch L. begann ich dann auch, ohne Sattel zu reiten um meinen Sitz und meine Balance zu verbessern. Wir sind noch am üben... aber es wird!
Stand der Dinge heute...
Hier sind wir also: Nabucco, Haflingerwallach, geboren Mai 1999 und Lena, 26 Jahre jung
Wenn ich so zurückdenke, war ich damals wirklich sehr leichtsinnig. So kurz nach einem Wiedereinstieg war ich mit einem eigenen Pferd absolut überfordert und überschätzte mich selbst maßlos. "Ach, das schaff ich schon..." sagte ich mir immer wieder. Und musste schmerzhaft lernen, dass der schnellste Weg nicht immer der beste ist. Es ist ein Wunder, dass Nabucco und ich letztendlich zusammen fanden und mittlerweile kann ich mir nicht vorstellen, jemals wieder ohne den Dicken zu sein. Mittlerweile sind wir seit über anderthalb Jahren zusammen und es ist an der Zeit, Tagebuch zu führen :nicken: Ich hoffe, dass der ein oder andere Spaß daran hat, uns auf unserem Weg zu begleiten. Wir haben noch viel zu lernen und sind trotz all der Erfahrungen die wir miteinander gemacht haben noch ganz am Anfang unseres Weges...
Liebe Grüße,
Lena und Nabucco
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Was lange währt wird endlich gut...
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