Vorab: falls es ein solches Thema schon gibt, bitte verschieben, ich habe nichts gefunden.
Heute morgen ist mir mal wieder bewusst geworden, wie klein denn unser Dorf ist.
Nein, eigentlich ist es ja ein kleines eigenes Universum, was gleichzeitig einen Kleinkrieg gegen ein anderes, ebenso kleines Universum führt.
Die vom Ober-Fluss (beliebigen Flussnamen einsetzen) und die vom Unter-Fluss verstehen sich nicht. Warum? Weiß keiner mehr. :zuck: Aber wichtig ist als Unterflussler, ist es verpönt mit einem Oberflussler aus zu gehen. Es hat schon was von Romeo und Julia, wenn man dagegen verstößt.
Nach außen hin wirkt so ein kleines Universum natürlich unzerstörbar und mit Zement gemauert. Aber wenn man einmal da drin ist, und je nach Universum ist es schwer da überhaupt Fuß auf dem Boden zu bekommen (dazu nachher mehr), sieht man die schöne kleine paradiesische Welt bröckeln.
Natürlich, die Nachbarn treffen sich zum alltäglichen spazieren gehen. Immer zur selben Uhrzeit. Aber wer glaubt, dass da Friede-Freude-Eierkuchen herrscht, der ist fernab der Realität. Fehlt jemand, so wird sofort der neuste Klatsch und Tratsch über eben jene Person ausgetauscht. Egal ob wahr oder nicht. Hauptsache, man hat was zu lästern.
Wenn alle beieinander sind, dann ist das natürlich eine eingeschworene Gemeinschaft. Dann wird über die 17 statt 18 Uhr Gassigeher getratscht und gelästert.
Oder eben darüber, dass der Herr Majer von nebenan sein Leben nicht geregelt bekommt. Immerhin steht ja um 9Uhr morgens noch die Mülltonne vor der Tür. Das Herr Majer aber leider schon um 6 aus dem Haus geht, weil er arbeitet und die Müllabfuhr erst um 8Uhr kommt, wird dabei außer Acht gelassen.
Und wehe dem, die junge unverheiratete Frau von der Hauptstraße nimmt zu. Dann ist sie natürlich Schwanger von Herrn Schmitz, dessen Frau ja durchgebrannt ist.
Die unverheiratete Frau ist natürlich nicht schwanger. Erst recht nicht von Herrn Schmitz, der seine Frau erst vor 2 Wochen zur Kur gefahren hat.
Jaja, jeder gegen jeden, aber einer für alle. Zumindest, wenn man drin ist.
Als Neuzugezogener, auch wenn man nur ein Dorf weiter gewohnt hat, merkt man schnell, dass hier eine ganz andere Mentalität herrscht.
Gut haben es noch die, die nur zur Miete wohnen. Die können schnell wieder flüchten. Aber die die gebaut oder gekauft haben, ja die haben die A-Karte gezogen. Die müssen versuchen sich irgendwie unter die Alt-Eingesessenen zu mischen und nicht auf zu fallen.
Ich hab es zwar selber noch nicht miterlebt, weil ich nun mal zu dein Eingeborenen gehöre, aber bei jedem neuen Nachbar stelle ich doch fest, wie schwer die es haben, neue Kontakte zu knüpfen. Ich glaube es ist in der Stadt einfacher.
Warum auch sollte man den neuen Nachbarn grüßen? Immerhin ist ER ja hier hin gezogen und muss ne große Welle machen. ER muss ja zu allen hingehen und fragen ob er denn überhaupt willkommen ist. Tut er das nicht, wird er so lange ignoriert, bis er entweder in den lokalen Schützenverein (Wahlweise durch anderen Verein ersetzen) eintritt, flüchtet und wieder dahin zieht wo er her kommt, oder penetrant jeden überschwänglichst grüßt der ihm begegnet.
Grüßt er allerdings die junge Frau von der Hauptstraße zu freundlich, so ist er natürlich der Vater des ungeborenen nicht-existierenden Kindes und betrügt seine Frau. Aber, so macht es dann die Runde, seine Frau müssen ihn ja sicher auch betrogen habe. Immerhin sieht der kleine Max seinem Vater gar nicht ähnlich. Der hat ja Haare.
Die Moral von der Geschicht:
Trau dem Frieden nicht.
Ich orientiere mich tatsächlich an dem tollen Lied der Ärzte und lasse reden.
Ich bin jemand, der, obwohl extrem schüchtern, auch auf neue Nachbarn zu geht, grüßt und wenn die Chemie stimmt, dann wird auch gemeinsam gegrillt.
Was haben die Menschen denn davon, wenn sie andere, die sie gar nicht kennen sofort ausgrenzen? Was haben die Menschen davon, wenn sie lustige Gerüchte in die Welt setzen?
Ist das in der Stadt ähnlich?
Grundsätzlich weiß ich ja, dass es im Reitervolk auch solche Gruppierungen gibt, aber da findet man schneller Anschluss als in einem kleinen Dorf. Oder liegt es daran, dass man sich den Stall danach aussucht, was man braucht und will und automatisch auf gleichgesinntere Seelen trifft?
Was ist da der Unterschied zu einem Hauskauf auf dem Land?
Ich würde gerne eure Erfahrungen zum Dorfleben im Allgemeinen hören. Vielleicht sogar ein paar Geschichten, wo ihr mit dem Kopf schüttelt und denk: Die ham einen anner Klatsche.
(Der Text ist natürlich etwas überspitzt geschrieben, aber so kommt es mir einfach manchmal vor. Flüchten würde ich allerdings trotzdem nicht.)
LG
Sunny
Heute morgen ist mir mal wieder bewusst geworden, wie klein denn unser Dorf ist.
Nein, eigentlich ist es ja ein kleines eigenes Universum, was gleichzeitig einen Kleinkrieg gegen ein anderes, ebenso kleines Universum führt.
Die vom Ober-Fluss (beliebigen Flussnamen einsetzen) und die vom Unter-Fluss verstehen sich nicht. Warum? Weiß keiner mehr. :zuck: Aber wichtig ist als Unterflussler, ist es verpönt mit einem Oberflussler aus zu gehen. Es hat schon was von Romeo und Julia, wenn man dagegen verstößt.
Nach außen hin wirkt so ein kleines Universum natürlich unzerstörbar und mit Zement gemauert. Aber wenn man einmal da drin ist, und je nach Universum ist es schwer da überhaupt Fuß auf dem Boden zu bekommen (dazu nachher mehr), sieht man die schöne kleine paradiesische Welt bröckeln.
Natürlich, die Nachbarn treffen sich zum alltäglichen spazieren gehen. Immer zur selben Uhrzeit. Aber wer glaubt, dass da Friede-Freude-Eierkuchen herrscht, der ist fernab der Realität. Fehlt jemand, so wird sofort der neuste Klatsch und Tratsch über eben jene Person ausgetauscht. Egal ob wahr oder nicht. Hauptsache, man hat was zu lästern.
Wenn alle beieinander sind, dann ist das natürlich eine eingeschworene Gemeinschaft. Dann wird über die 17 statt 18 Uhr Gassigeher getratscht und gelästert.
Oder eben darüber, dass der Herr Majer von nebenan sein Leben nicht geregelt bekommt. Immerhin steht ja um 9Uhr morgens noch die Mülltonne vor der Tür. Das Herr Majer aber leider schon um 6 aus dem Haus geht, weil er arbeitet und die Müllabfuhr erst um 8Uhr kommt, wird dabei außer Acht gelassen.
Und wehe dem, die junge unverheiratete Frau von der Hauptstraße nimmt zu. Dann ist sie natürlich Schwanger von Herrn Schmitz, dessen Frau ja durchgebrannt ist.
Die unverheiratete Frau ist natürlich nicht schwanger. Erst recht nicht von Herrn Schmitz, der seine Frau erst vor 2 Wochen zur Kur gefahren hat.
Jaja, jeder gegen jeden, aber einer für alle. Zumindest, wenn man drin ist.
Als Neuzugezogener, auch wenn man nur ein Dorf weiter gewohnt hat, merkt man schnell, dass hier eine ganz andere Mentalität herrscht.
Gut haben es noch die, die nur zur Miete wohnen. Die können schnell wieder flüchten. Aber die die gebaut oder gekauft haben, ja die haben die A-Karte gezogen. Die müssen versuchen sich irgendwie unter die Alt-Eingesessenen zu mischen und nicht auf zu fallen.
Ich hab es zwar selber noch nicht miterlebt, weil ich nun mal zu dein Eingeborenen gehöre, aber bei jedem neuen Nachbar stelle ich doch fest, wie schwer die es haben, neue Kontakte zu knüpfen. Ich glaube es ist in der Stadt einfacher.
Warum auch sollte man den neuen Nachbarn grüßen? Immerhin ist ER ja hier hin gezogen und muss ne große Welle machen. ER muss ja zu allen hingehen und fragen ob er denn überhaupt willkommen ist. Tut er das nicht, wird er so lange ignoriert, bis er entweder in den lokalen Schützenverein (Wahlweise durch anderen Verein ersetzen) eintritt, flüchtet und wieder dahin zieht wo er her kommt, oder penetrant jeden überschwänglichst grüßt der ihm begegnet.
Grüßt er allerdings die junge Frau von der Hauptstraße zu freundlich, so ist er natürlich der Vater des ungeborenen nicht-existierenden Kindes und betrügt seine Frau. Aber, so macht es dann die Runde, seine Frau müssen ihn ja sicher auch betrogen habe. Immerhin sieht der kleine Max seinem Vater gar nicht ähnlich. Der hat ja Haare.
Die Moral von der Geschicht:
Trau dem Frieden nicht.
Ich orientiere mich tatsächlich an dem tollen Lied der Ärzte und lasse reden.
Ich bin jemand, der, obwohl extrem schüchtern, auch auf neue Nachbarn zu geht, grüßt und wenn die Chemie stimmt, dann wird auch gemeinsam gegrillt.
Was haben die Menschen denn davon, wenn sie andere, die sie gar nicht kennen sofort ausgrenzen? Was haben die Menschen davon, wenn sie lustige Gerüchte in die Welt setzen?
Ist das in der Stadt ähnlich?
Grundsätzlich weiß ich ja, dass es im Reitervolk auch solche Gruppierungen gibt, aber da findet man schneller Anschluss als in einem kleinen Dorf. Oder liegt es daran, dass man sich den Stall danach aussucht, was man braucht und will und automatisch auf gleichgesinntere Seelen trifft?
Was ist da der Unterschied zu einem Hauskauf auf dem Land?
Ich würde gerne eure Erfahrungen zum Dorfleben im Allgemeinen hören. Vielleicht sogar ein paar Geschichten, wo ihr mit dem Kopf schüttelt und denk: Die ham einen anner Klatsche.
(Der Text ist natürlich etwas überspitzt geschrieben, aber so kommt es mir einfach manchmal vor. Flüchten würde ich allerdings trotzdem nicht.)
LG
Sunny
Das Leben auf dem Dorf oder ignorierst du schon oder lästerst du noch?
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